Integrationsbarometer 2025: Antworten bestätigen methodische Grenzen und politische Verantwortung des ÖIF

Nach der Veröffentlichung des ÖIF-Integrationsbarometers 2025 und der darauffolgenden öffentlichen Debatte liegen nun sowohl eine Stellungnahme des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) als auch eine Antwort des Studienleiters Peter Hajek vor. Die Neuen Österreichischen Organisationen haben diese Antworten ausgewertet. Aus ihrer Sicht bestätigen sie zentrale Kritikpunkte an Aussagekraft, Transparenz und öffentlicher Wirkung des Integrationsbarometers.


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Fragen und Antworten: ÖIF (PDF)
Fragen und Antworten: Dr. Peter Hajek

Fokus auf Stimmungen, nicht auf Erfahrungen

Sowohl der ÖIF als auch der Studienleiter bestätigen, dass das Integrationsbarometer bewusst die Einstellungen österreichischer Staatsbürger:innen als Mehrheitsgesellschaft erhebt. Zentrale erklärende Faktoren wie persönlicher Kontakt mit Migrant:innen oder konkrete Alltagserfahrungen werden nicht erhoben. Damit misst das Integrationsbarometer Stimmungen, nicht deren Ursachen.

Der Studienleiter verweist darauf, dass der Zusammenhang zwischen persönlichem Kontakt und differenzierter Bewertung des Zusammenlebens „gesichertes Wissen“ sei und daher nicht jedes Mal abgefragt werden müsse. Aus Sicht der Neuen Österreichischen Organisationen bleibt damit jedoch offen, worauf sich die im Barometer ausgewiesenen negativen Bewertungen konkret stützen.

Transparenz erst auf Nachfrage

Erst auf Nachfrage wurde offengelegt, dass 80 der 1.000 befragten Personen selbst einen Migrationshintergrund hatten. Diese Information ist in der veröffentlichten Studie nicht ausgewiesen. Zwar wird argumentiert, dass sich keine wesentlichen Unterschiede in den Antwortmustern gezeigt hätten, eine nachvollziehbare Darstellung dieser Auswertung fehlt jedoch.

Politische Verantwortung liegt beim Auftraggeber

Der Studienleiter stellt klar, dass die inhaltlichen Schwerpunkte des Integrationsbarometers vom Auftraggeber gesetzt werden. Damit liegt die Verantwortung für Themenwahl, Gewichtung und öffentliche Präsentation der Ergebnisse beim Österreichischen Integrationsfonds. Die Neuen Österreichischen Organisationen sehen darin eine Bestätigung ihrer Kritik, dass die politische und mediale Wirkung des Integrationsbarometers nicht allein aus den Daten entsteht, sondern maßgeblich aus deren institutioneller Rahmung.

Methodische Grenzen werden nicht öffentlich reflektiert

Weder in der Studie noch in der öffentlichen Kommunikation werden die methodischen Grenzen des Integrationsbarometers ausreichend thematisiert. Dazu zählen insbesondere der Verzicht auf Kontaktvariablen, die fehlende Erhebung von Diskriminierungserfahrungen sowie die ausschließliche Fokussierung auf die Perspektive der Mehrheitsgesellschaft. Gleichzeitig prägen die Ergebnisse die öffentliche Debatte über Integration in hohem Maße.

Weitere kritische Stellungnahmen

Inzwischen liegen auch weitere kritische Stellungnahmen zum Integrationsbarometer 2025 vor, darunter von der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich, die eine berufsständische Beschwerde eingebracht hat. Diese Reaktionen unterstreichen, dass das Integrationsbarometer aus unterschiedlichen fachlichen und institutionellen Perspektiven kritisch diskutiert wird.

Forderung nach institutioneller Aufarbeitung

Die Neuen Österreichischen Organisationen betonen, dass sich ihre Kritik nicht gegen Meinungsforschung an sich richtet, sondern gegen die politische Wirkung staatlich beauftragter Studien und die Verantwortung ihrer Herausgeber. Angesichts der nun vorliegenden Antworten halten sie eine institutionelle Auseinandersetzung mit Zweckbindung, Kommunikationsstrategie und öffentlicher Wirkung des Integrationsbarometers für notwendig.

„Die Antworten zeigen, dass das Integrationsbarometer bewusst Stimmungen misst, zentrale Ursachen jedoch ausblendet. Gleichzeitig wird die politische Verantwortung für Themenwahl und Präsentation nicht reflektiert. Diese Diskrepanz gehört offen diskutiert“, so die Neuen Österreichischen Organisationen.

Internationaler Tag der Migrant:innen

Abschließend weisen die Neuen Österreichischen Organisationen darauf hin, dass die Präsentation des Integrationsbarometers am Internationalen Tag der Migrant:innen zusätzliche Fragen zur Sensibilität und öffentlichen Wirkung aufwirft. An einem Tag, der den Rechten, Leistungen und Lebensrealitäten von Migrant:innen gewidmet ist, standen erneut problemorientierte Bewertungen im Mittelpunkt, während die Perspektiven der Betroffenen selbst nicht erhoben wurden.

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