Die Neuen zu AK-Studie: Wer Diskriminierung kritisiert, muss sie auch im eigenen Haus bekämpfen

Am Internationalen Tag der Migrant:innen präsentierte die Arbeiterkammer Wien im Rahmen eines Online-Pressegesprächs neue Studienergebnisse zur Diskriminierung im Bewerbungsprozess. Die Neuen Österreichischen Organisationen begrüßen die Studie grundsätzlich, fordern jedoch, dass deren Erkenntnisse auch innerhalb der AK Wien angewendet werden.

Wien – Am Internationalen Tag der Migrant:innen wurden im Rahmen eines Online-Pressegesprächs der Arbeiterkammer Wien aktuelle Studienergebnisse zur Diskriminierung im Bewerbungsprozess präsentiert. Unter dem Titel „Wenn Herkunft wichtiger ist als Qualifikation – so schließt man keine Fachkräftelücke“ wurde aufgezeigt, dass Menschen mit Migrationsgeschichte in Österreich trotz Qualifikation weiterhin systematisch benachteiligt werden.

Die Neuen Österreichischen Organisationen begrüßen ausdrücklich, dass Diskriminierung am Arbeitsmarkt wissenschaftlich untersucht und öffentlich thematisiert wird. Gerade an einem Tag, der weltweit auf die Rechte, Beiträge und die gesellschaftliche Teilhabe von Migrant:innen aufmerksam macht, ist diese Debatte notwendig und überfällig. Gleichzeitig zeigt sich einmal mehr eine strukturelle Leerstelle: Die Debatte über Diskriminierung wird nach wie vor überwiegend über Menschen mit Migrationsgeschichte geführt – und nur selten mit ihnen. Migrantische Perspektiven bleiben selbst dort unterrepräsentiert, wo Diskriminierung analysiert, erklärt und bewertet wird.

Vor diesem Hintergrund sehen sich die Neuen Österreichischen Organisationen veranlasst, eine zentrale Frage zu stellen: Inwiefern werden die präsentierten Erkenntnisse auch innerhalb der Arbeiterkammer Wien selbst angewendet?

Die Arbeiterkammer Wien versteht sich als Interessenvertretung aller Arbeitnehmer:innen. Gleichzeitig ist die Organisation – sowohl in ihren Führungsebenen als auch in weiten Teilen der Belegschaft – weit davon entfernt, ein Spiegelbild der vielfältigen Wiener Gesellschaft zu sein. In einer Stadt, in der mehr als die Hälfte der Bevölkerung eine Migrationsgeschichte hat, ist diese Diskrepanz nicht länger erklärbar.

Wenn die Arbeiterkammer Diskriminierung im Bewerbungsprozess zu Recht kritisiert, muss sie sich derselben Frage stellen: Wie werden Bewerbungen innerhalb der AK Wien bewertet? Welche Rolle spielen Herkunft, Name oder Zuschreibungen in internen Auswahlprozessen? Und welche konkreten Maßnahmen setzt die AK, um strukturelle Benachteiligung im eigenen Haus abzubauen?

Wiener Integrationsindex 2020: Konstruktive Kritik ist kein Angriff!
Diese Fragen sind für die Neuen Österreichischen Organisationen nicht neu. Bereits im Rahmen des Wiener Integrationsindex 2020 (ein Projekt der Neuen Österreichischen Organisationen) wurden auch große Institutionen – darunter die Arbeiterkammer Wien – anhand objektiver Kriterien bewertet. Die damaligen Ergebnisse stießen intern auf Irritation und Verwunderung.

In der Folge wurde der Ton rauer.

Auffällig ist, dass sich seither auch die Zusammenarbeit verändert hat: Projektanfragen der Neuen Österreichischen Organisationen werden mittlerweile regelmäßig und rasch abgelehnt. Wir unterstellen dabei keine bewusste Absicht. Dennoch wirft diese Entwicklung eine grundsätzliche demokratiepolitische Frage auf: Wie gehen Institutionen mit Kritik um, wenn sie selbst zum Gegenstand von Analyse und Bewertung werden?

Studien dürfen kein Selbstzweck sein und keine moralische Absicherung nach außen darstellen. Antidiskriminierung beginnt nicht bei Pressegesprächen, sondern bei internen Personalentscheidungen. Wer Diskriminierung sichtbar macht, trägt auch Verantwortung, sie im eigenen Einflussbereich konsequent zu bekämpfen.

Die Neuen Österreichischen Organisationen fordern die Arbeiterkammer Wien daher auf:

– ihre internen Bewerbungs- und Auswahlprozesse transparent darzulegen
– konkrete Diversitätsziele festzulegen – auch für Führungspositionen
– und messbare Schritte zur interkulturellen Öffnung umzusetzen


Eine offene und demokratische Gesellschaft misst sich nicht nur daran, wie gut sie Diskriminierung benennt, sondern daran, wie sie mit Kritik umgeht, wenn sie selbst betroffen ist.

Gerechtigkeit muss sein – und sie muss für alle gelten.


LINKS:
AK Wien
Integrationsindex 2020 (PDF)

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